Who Owns the Past?

Wem gehört die Vergangenheit?
USA 2001, N. Jed Riffe
Digital, 56 Min., englische Originalfassung.

 

 

Die Überreste des sogenannten Kennewick-Mannes wurden im Juli 1996 am Ufer des Columbia River in der Nähe der Stadt Kennewick gefunden. Die Knochen wurden auf 7.300 v.Chr. datiert, besaßen jedoch morphologische Merkmale, die nicht mit denen der indianischen Überreste der Epoche übereinzustimmen schienen. Genetische Untersuchungen wurden erst 2015 veröffentlicht, nach diesen ist der Kennewick-Mann eindeutig indianisch und nahe verwandt mit den Völkern, die bis heute in der Region leben.

Neben neuen wissenschaftlichen Thesen stieß der Fund auch Auseinandersetzungen zum Umgang mit den sterblichen Überresten an. So klagten die heutigen Bewohner des Gebiets, die Yakama, Umatilla, Nez Percé und Colville, vor Gericht, weil sie den als ihren Vorfahren reklamierten Mann beisetzen wollten. Die rechtliche Grundlage dafür bietet seit 1990 ein Gesetz (Native American Graves Protection and Repatriation Act; NAGPRA), in dem die Rückgabe von kulturellen Hinterlassenschaften der Indianer Nordamerikas an ihre Nachfahren geregelt wird. Der Rechtsstreit war 2010 noch nicht zu einer Klärung gelangt, die Regierung sagte jedoch zu, alle menschlichen Überreste – von insgesamt etwa 40.000 Individuen – an die Stämme zurückzugeben. Die Bestimmungen beziehen sich dabei nicht mehr auf den Nachweis einer genetischen Verwandtschaft, sondern nur noch darauf, auf welchem Stammesgebiet die Funde gemacht wurden. Damit könnte, falls dies von einem Stamm beantragt wird, der Kennewick-Mann beigesetzt werden.